Familienfest bei den Lustmolchs – Teaser-Hörspiel

Unsere „Krakant & Friends“ Con nähert sich mit Riesenschritten … Lina Lustmolch rotiert zwischen Handelskontor und Küche hin und her … die ersten Gäste machen sich auf den Weg in Richtung Warmundfeucht … und auch in Kesselweiher, dem nahe gelegenen Dörfchen, ist das bevorstehende Fest der Familie das Gesprächsthema Nummer eins. Hört selbst:

Familienfest bei den Lustmolchs!

Ainladung

Hiermit tut die ehrwürdige Matriarchin Lucretia Lustmolch kund und zu wissen, dass zu Ehren ihres 90. Geburtstages soll eine Faierlichkeit begangen sein. So sprechen wir Euch diese Ladung aus, auf dass Ihr Gast sein möhget im Dorfe Warmundfeucht auf dem bescheidenen Anwesen der edlen Lucretia!

Die drei Lustmolch-Vettern sind über die Krakanter Grenzen hinweg bekannt und beliebt. Nun lädt ihre Großtante Lucretia Lustmolch, die Matriarchin der Familie, zum großen Familienfest! Adel und niedriges Volk von nah und fern strömen herbei, um dem Geburtstagskind die Ehre zu erweisen. Doch irgendetwas stimmt nicht … nachts erklingen aus dem Wald seltsame Geräusche … im Lustmolch-Anwesen hört man Stöhnen und Schreie (und nicht die üblichen, sondern Schmerzensschreie!). Das schöne Fest wird von unerklärlichen Erscheinungen überschattet, und die Mägde und Knechte berichten von entsetzlichen, entstellten Gestalten, die im Wald ihr Unwesen treiben … Können (und wollen) die Reisenden der Lustmolch-Familie beistehen?!

Vom 1. – 3.11.2019 findet in Blankenrath die dritte „Grüner Wald“ Mini-Con statt. Leider sind alle SC-Plätze schon vergeben. Wer Vollzeit-NSC spielen möchte, darf uns gerne noch anschreiben.

„Operation Kustenbraten“ – ZdL 2019, Teil 2

(Dies ist Teil 2 der Zusammenfassung des Zeit der Legenden 2019. Teil 1 kannst Du hier nachlesen)

Eine Waffe, von unserem Gott Tyr gegeben. Eine Waffe, den Hexer zu vernichten. In unseren Köpfen ist kein Raum für Zweifel. Es darf kein Raum für Zweifel sein. 

Wenn wir zögern, wenn wir wankelmütig werden, auch nur einer oder eine Einzige von uns, könnte es scheitern, sagt unser Fürstbischof Ramius. Und Herr Ramius spricht mit Herrn Tyr, er muss es wissen.

Wir haben die Gebeine unserer Heiligen dabei. Wieder haben es die Drachen für richtig gehalten, sie mit uns hierher zu holen. Diesmal ist nicht nur der Schädel Arnulf Berengars mitgereist – nein, auch seine Knochen, die Tuchfetzen und Fingerknochen und Haare anderer Heiliger. Der Reliquienwagen soll uns aufs Schlachtfeld begleiten, sagt Herr Ramius. Er wird uns einen starken Geist geben, wir werden nicht wanken. Wir werden den Hexer nicht fürchten.

Immer noch zieht er, der Hexer, durch das Lager. Niemand wagt es, ihn aufzuhalten. Oftmals hat er Aurora an seinem Arm, spricht liebevoll mit ihr. Sie ist wieder bei ihm, ihr Ausbruch war nur von kurzer Dauer. Ihr Blick ist leer. Manchmal hält sie inne, als suche sie etwas. Sie sucht die Wahrheit, sagt der graue Priester. Sie sucht Freiheit, sagen die Blauen, deren Amulett sie im letzten Jahr erhielt. 

Warum hält ihn niemand auf? Als er Aurora, wenn auch nur kurz, verloren hatte, konnten wir doch sehen, dass er verwundbar ist! Die Menschen in Elitawana scheinen es nicht mehr zu glauben. Verzweifeln sie? Und auch die Bemühungen der Reisenden zerfasern … einige versuchen, den Priesterinnen und Priestern zu helfen und haben damit auch Erfolg. Aber was macht das aus im Kampf gegen diesen übermächtigen Feind! 

Begegnung mit Fuchs

Während ich noch darüber grüble, kommen drei Frauen ins Lager der Krakanter. Sie sind auf der Suche nach einer Heilerin. Ich soll eine Operation durchführen, bitten sie. Eine Operation am offenen Herzen.

Machen sie Witze? Offensichtlich nicht. Und so kommt es, dass ich unter weißen, elfischen Tüchern, begleitet von magischem Gesang, eine Frau operiere, die eigentlich ein Fuchs ist … (wer die Geschichte im Detail lesen möchte: Hier steht sie).

So sehr mich das Erlebnis aufwühlt – es muss weitergehen. Doch wie? Herr Ramius gebietet uns, geduldig zu sein. Ich habe das Gefühl, es läuft uns die Zeit davon.

Tollkühn und Fuchs kommen einige Stunden später, um sich zu bedanken. Sie haben ein Geschenk für Birke und mich, vor allem aber haben sie Informationen: Sie besitzen den Text zu dem alten Wiegenlied, das Auroras Mutter, ihre echte Mutter, ihr immer sang. Die Melodie haben wir schon lange, jetzt auch den Text. Sie schreiben ihn uns auf, und gemeinsam mit Björn beginnen wir, das Lied zu üben. Wenn es Aurora ablenkt, den Hexer ablenkt, vielleicht nur für einen kurzen Moment – dann könnte das der Moment sein, in dem wir zuschlagen können mit unserer Waffe, mit unserem heiligen Feuer! Herr Ramius gebietet uns, am Lied zu arbeiten, während er weiter betet und um Unterstützung für unseren Plan bittet, Tyrs heiligen Zorn uns zur Unterstützung anruft, auf dass er sich in heiliges Feuer verwandeln möge …

Die Geburt des Zwillings

Und während wir uns an vielen verschiedenen Stellen abmühen, raubt der Hexer den Hofburschen des Tempels, Jorden. Gestern hatte ich noch mit ihm gesprochen, ein guter, braver Junge, wenn auch etwas simpel. Der Hexer nimmt ihn einfach mit. Ein Gefäß ist er für ihn, ein wertloser Geist in einem kostbaren Körper – und tatsächlich gelingt es ihm, in dem Jungen den Bruder Auroras zu erschaffen. Nun hat er nicht mehr nur ein Kind, nun hat er zwei. Die lichte und die dunkle Seite, Aurora und Jorden, Schwester und Bruder, seine zwei Kinder. Wir sind verzweifelt – werden wir ihn nun noch besiegen können?

Fotofänger
(c) Fotofänger

Doch Herr Ramius lässt uns nicht verzweifeln. Ein weiteres Mal gehen wir durch alle Lager, in die Burg, in den Wald. Diesmal nehmen wir nicht nur den Reliquienwagen mit. Diesmal nehmen wir auch die geweihte Waffe, die Herr Tyr selbst in seiner großen Herrlichkeit unserem Herrn Ramius geschenkt hat. Wir zeigen sie allen und singen und beten um Tyrs Segen für unser Unterfangen. Eine heilige Waffe – ein FLAMMENWERFER. Tyrs Zorn selbst wird herabfallen vom Himmel wie flüssiges Feuer, wird sich über den Hexer ergießen, und er wird BRENNEN! Wir sind uns sicher. Es gibt keine Zweifel. 

Keine? Als wir im Wald stehen, dreht Björn plötzlich durch. Unser Björn, mein guter Freund Björn, der sanftmütige Björn fällt über Herrn Ramius her! Wir ringen ihn zu Boden. Während unser gütiger Herr Ramius auf ihn einredet, ist mein Dolch gezückt … Kindheitserinnerungen werden wach. Ich kämpfe sie zurück in den Schatten, aus dem sie kamen. Björn beruhigt sich.

Das ist es, was er tut, der Hexer. Er stiftet Unfrieden und Zwietracht. Er zerreißt Völker. Er entreißt Säuglinge ihren Müttern und Söhne ihren Vätern. Er spaltet Stämme und Familien. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen ihm Einhalt gebieten. Tyr wird uns schützen und stärken, wir werden ihn aufhalten! Wir sind Krakant, wir werden der Schild sein, der sich vor die Schwachen stellt, und das heilige Feuer unseres Herrn wird den Hexer vernichten!

Wir gehen durch die Lager und verkünden es allen. Unglaube begegnet uns, manchmal Hohn. Es macht uns nichts aus. Wir werden nicht wankelmütig.

Göttliches Feuer

Wir stehen auf dem Schlachtfeld. Es gibt nun keinen Zweifel mehr. Björn und ich singen. Wir fordern andere auf, mitzusingen, und sie tun es. Singen, summen, manche mit, manche ohne Text. Viele Stimmen erheben sich. Alle singen gemeinsam. Herr Ramius steht mit dem Wagen auf dem Schlachtfeld. Unsere Soldaten, allen voran unser Leutnant Konrad, stehen wie ein Mann. Alle unsere Reliquien sind bei uns. Wir beten. Wir singen. Es ist kein Raum für Zweifel. Unser Glaube ist unerschütterlich. Der Hexer wird brennen.

Isidor, unser Soldat Isidor hält ihn: Den Flammenwerfer. Die Waffe göttlichen Zorns. Herr Tyr selbst wird uns das Feuer dafür geben. Isidors Fäuste umklammern die göttliche Waffe. Tyr wird seinen Waffenarm stärken und ihn nicht wanken lassen. Isidor wird nicht zurückweichen. Ich sehe es in seinen Augen.

Am Rande höre ich mehr als ich es sehe, dass das Eisportal geöffnet wird. Der Eisgolem schreitet heraus und greift an. Wir wissen, dass er einen der Seelensplitter Auroras besitzt, den zweiten. Den ersten hat damals unser Herr Konrad dem Bullen entrissen. Sollen wir uns nun dem Eisgolem zuwenden? Unser Feuer wäre gewiss eine mächtige Waffe gegen ein Eiswesen. Aber Herr

Originalfoto (c) Nabil Hanano

Ramius hält uns zurück. Nein. Wir überlassen den Eisläufer anderen. Unser Feuer ist nur für IHN bestimmt, für den Blender, den Täuscher, den Hexer. Wir sammeln unsere Stärke, unseren Glauben. 
Das Eiswesen fällt. Der Splitter wird ihm entrissen. Doch ich kann es nicht feiern, ich singe – und da sehe ich sie: Aurora. Der Hexer ist bei ihr, und auch sein neu erschaffener Sohn. Sie wollen in den Eiszirkel eintreten. Das müssen wir verhindern! Unsere Soldaten nähern sich dem Hexer von hinten. Sie anderen Lager wissen bescheid, sie sind alle eingeweiht. Sie glauben vielleicht nicht, dass wir etwas ausrichten können – aber jetzt wollen sie doch sehen, was wir tun. Sie lassen uns durch, niemand versucht, uns aufzuhalten. Wir singen. Wir singen immer lauter. Bajuschki Baju! Da! Aurora bleibt stehen! Sie wendet sich zu uns. 

Und dann dreht sich auch der Hexer um. Ich kann es nicht sehen, denn er ist umringt von unseren Soldaten. Doch – da! Er brennt.

Der Hexer brennt. 

Ein Jubel tost über das Schlachtfeld aus Hunderten von Kehlen. Er brennt! Er blutet! Er geht zu Boden!

Ich will es genießen, es mir ansehen, doch jemand zerrt an mir. „Wir müssen singen! Aurora ist unbewacht, das ist der Moment!“
Ich stürze zu ihr hin, da steht sie, im Eiszirkel, Jorden ist bei ihr. Sie schwankt, schaut sich um, als träume sie. Wir singen. Die Rufe werden immer lauter. Wir singen.

„Nicht lauter, ihr Narren“, denke ich. „Leiser. Das war ihr Wiegenlied“. Ihre Mutter sang es für sie, bevor sie starb. Dies ist die Stimme Deiner Mutter, Aurora. Dies ist Mutterliebe. Nicht das perverse, dunkle Spiel, das der Hexer mit Dir treibt. Glaub mir. Bitte glaub mir. Jorden hebt die Arme, tritt aus dem Kreis heraus … und geht an uns vorbei. Er beachtet uns gar nicht. 

Aurora schwankt. Sie geht einen Schritt auf uns zu. Wir singen.

Doch hinter uns, während wir singen, während wir es nicht sehen können, geht Jorden zu seinem Vater und schenkt ihm seine Lebenskraft. Der Hexer steht auf. Er nimmt die Flammen, UNSERE Flammen – und schleudert sie auf uns zurück.

Der Hexer geht an mir vorbei, so nah, dass ich sein Gewand im Gras rascheln höre. Er nimmt Auroras Hand und führt sie davon. Es ist vorbei.

Wir haben verloren. Wir haben wieder verloren.

Ich komme wieder zu mir, als Herr Ramius seine Hand auf meine Schulter legt. „Waren wir nicht stark genug?“ frage ich unter Tränen. „War unser Glaube nicht stark genug?“ Herr Ramius tröstet uns. „Unser Glaube war stark. Tyr schenkte uns Feuer. Und auch, wenn wir nicht gesiegt haben: Der Hexer hat gebrannt. Er hat geblutet. Alle haben es gesehen. Ganz Elitawana weiß nun, dass er sterblich ist.“

Er hat gebrannt. Wir haben es alle gesehen. Brenne, Hexer. Brenne lichterloh.

Originalfoto (c) Nabil Hanano

 

Das Herz eines Fuchses

(dies ist ein Side-Plot des ZdL 2019. Du kannst die Zusammenfassung ZdL insgesamt hier lesen: Teil 1, Teil 2)

Während ich noch grübelte, wie wir Aurora dem Hexer entreißen könnten, geschah etwas für mich persönlich bedeutsames: Drei Frauen ließen im Lager nach mir fragen. Sie trugen klingende Namen … Tollkühn, Achtsam und … Fuchs? Sirka, die Füchsin, ergänzte sie auf Nachfrage. Aber lieber einfach nur Fuchs. Sie suchten meine Dienste als Heilerin. Fuchs war … anders. Ich konnte meinen Finger nicht darauf legen, aber meine Nackenhaare stellten sich auf. Drohte von ihr Gefahr? Sie sah aus wie eine junge Frau, aber mein Instinkt sagte mir, dass sie das nicht war. Die anderen waren auf den ersten Blick als elfisch zu erkennen. Keine Elfen aus Quenris, wo ich studiert hatte, aber Elfen immerhin. Doch Sirka war … kein Mensch. Kein Elf. „Eben Fuchs“, sagte sie, und mehr nicht. Ein Kristall wäre in ihrem Herzen. Ein Splitter weißen Kristalls. Er sei schon sehr lange darin, und sie wolle ihn heraushaben. Ob ich das bewerkstelligen könne.

Ich musste lachen. Ja, ich hatte nun schon viele Operationen gemeistert. Die meisten mit Hilfe von Hugo und Bärbel, etliche in der Universität zu Quenris, manche sogar auf dem Schlachtfeld … ich hatte in Herrn Konrads Kopf geblickt und den Weibel von den Toten zurückholen geholfen … aber was dieses Wesen von mir verlangte, war lachhaft. Eine Operation am offenen Herzen?

Der Splitter sei auf magischem Wege in ihr Herz gepflanzt worden, berichtete Fuchs. „Und jetzt muss er heraus“, sagte Tollkühn, ihre Begleiterin. Ich blickte von der einen zur anderen. „Wer von Euch beiden will das“, fragte ich. „Und warum soll der Kristall aus ihrem Herzen heraus? Du scheinst keine Schmerzen zu haben.“ Die Füchsin sieht zu Tollkühn hinüber. Ich wartete. Tollkühn ist es, die antwortet. „Der Kristall hindert sie, ihren freien Willen auszuüben“. Das verstehe ich. Der freie Wille ist die Grundlage all unseren Seins, darüber hat Herr Ramius viel gepredigt. „Zwingt er sie zu bösen Taten?“, frage ich. „Nein“, antwortet Fuchs. „Er zwingt mich, Gutes zu tun“. 

Ein Kristallsplitter im Herzen. Alte Sagen kommen mir in den Sinn. Er zwingt sie, GUTES zu tun. Und macht es einen Unterschied? Ich kann diese Operation ohnehin nicht durchführen.

„Ich bin nicht in meinem Lazarett oder der Universität. Ich habe nur wenig Werkzeug dabei“. Aber, so dachte ich, viel mehr als bei meiner letzten Reise nach Eiltawana … ich hatte mich schon gefragt, warum die Drachen mir diesmal so viel mitgegeben haben …

„Und solltet Ihr nicht jemanden mit magischer Begabung fragen, Euch zu helfen? Wenn der Kristall magisch hineingekommen ist, dann kommt er doch auch magisch wieder heraus“.

„Das geht nicht“, sagte Fuchs voller Überzeugung. „Wir alle hatten einen Kristall im Herzen. Alle Füchse. Alle, die so sind wie ich. Bei allen wurde versucht, ihn zu entfernen.“ – „Und?“ – „Sie sind alle gestorben“.

Wundervoll. Eine Operation am offenen Herzen, die noch kein Proband überlebt hatte. „Ich bin nur eine Handwerkerin“, gab ich zu bedenken. Mit Magie habe ich nichts am Hut“. Um so besser, fanden die drei.

Ihren freien Willen … wollte ich das tun? Wollte ich einen Fuchs befreien? Oder töten?

Ich willigte ein.

Sanfte, weiße Tücher wehten im Wind. Sirka trug ein weißes Hemd, lag auf einem weißen Tuch. Weiß – in meiner Heimat die Farbe des Todes. Birke und ich, begleitet von Herrn Konrad, näherten uns ihr vorsichtig. „Fuchs“, murmelte es in meinem Hinterkopf. „Raubtier“. Jetzt spielte es keine Rolle mehr. Ich fragte sie nach ihrem Namen, obwohl ich ihn bereits wusste, ein altes Ritual meiner elfischen Lehrmeisterin. „Es geht niemals um Dich. Es geht immer um die, denen Du helfen willst. Bevor Du beginnst, frag nach ihrem Namen.“ – „Sirka“, wiederhole ich. „Fuchs“. Ich gebe ihr etwas gegen die Schmerzen. Zwei halten sie fest. Eine von ihnen bündelt elfische Energie. Ich kenne das Ritual und weiß um seine Macht. Wenn sie überleben soll, dann nur so. Ich weise Birke an und vermisse meinen Weggefährten und fähigen Heilerfreund Hugo. Birkes Hand zittert, doch dann wird sie ruhiger. Sie wird durchhalten, das weiß ich. Sie hat einen eisernen Kern, unsere Birke. 

Ich setze den ersten Schnitt.

Konrad ging vors Zelt. Die Männer sehen ständig Blut. Aber zuzusehen, wie ich eine vermeintlich junge Frau aufschneide, durch die Brust bis zum Herz – das brauchte auch unser Leutnant nicht. Ich musste lächeln. Birke lächelte mit mir.

Ich sah das Blut nicht, das über meine Hände rann, das Tuch rot färbte, meine Hände, mein Gewand. Ich ging im Kopf die menschliche Anatomie entlang (Fuchs beteuerte, die sei bei ihr wie bei normalen Menschen, und ich hoffte, es stimmt). Eine ruhige Stimme lenkte mich. Eine der Elfen, die den Splitter in der Brust sehen kann. Es war Millimeterarbeit. Es kam mir vor wie Stunden, oder wie wenige Augenblicke – dann sah ich ihn. Von Gewebe umkapselt, wirkte er zunächst wie ein normales kaltes Stück Kristall. Doch er pulsierte. Er leuchtete. Kurz zögerte ich. Dann setzte ich die Klinge tiefer. Birkes Hände sind unverrückbar. Fuchs‘ Körper unter mir bäumte sich auf. Blut schoss heraus, mehr als es sollte, dann spürte ich, SAH ich, wie ihr Herz schwächer schlug. Hatte ich eine Ader getroffen? Nein, es ist der Splitter. Er … wehrte sich. Fast war es, als würde er heiß. 

Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich fasste den Splitter mit meinem Werkzeug und hebelte ihn heraus. Die Stimmen der elfischen Magie um mich herum schwollen an, wurden lauter und immer lauter, erhielten sie am Leben, obwohl das fast nicht möglich war. Ich warf den Splitter achtlos hinter mich, doch jemand fing ihn auf, denn jetzt musste ich nähen. Gesang, Magie, ein schwächer werdendes Herz. Während meine Hände genau wussten, was sie tun müssen, kreisten meine Gedanken darum, wie oft ich schon gesehen habe, dass Gebete und Magie halfen, die verwundeten am Leben zu erhalten. Wie sehr ich mich dagegen wehrte, das zu glauben. Wie oft ich dann selbst zu Herrn Tyr betete, wenn ich fürchte, jemanden zu verlieren. Wie sehr ich ihnen verbunden war, wenn ich sie gerettet hatte, jeder und jedem Einzelnen … wie oft sie mir in meinen Träumen begegneten, sie alle, die ich gerettet habe, als wären sie nun ein Teil von mir. Und dass ich das niemals jemandem werde erzählen können.

Dann war es getan. Fuchs lebt. Sie erwachte. Ich zog meine Hände beiseite. „Lasst sie!“ befahl ich, „Lasst Ihr Raum, berührt sie nicht!“ Mehr denn je hatte ich das Gefühl eines verletzten Raubtieres, keines Menschen. Der Leutnant zog sein Schwert … und auch Tollkühns und meine Hand halten plötzlich jede ihren Dolch. Fuchs zitterte und knurrte. Doch sie lebte, und sie war frei. Tollkühn streckte ihr die Hand hin wie einem verängstigen Tier. Und langsam ließ sich Fuchs in ihre Arme sinken.

Ich nickte. Langsam standen Birke und ich auf, wuschen unsere Gerätschaften. Dann begleitete der Leutnant uns ins Lager zurück.

Ich habe das Gefühl, dass auch Fuchs mir in meinen Träumen begegnen wird … wie all die anderen.

„Operation Krustenbraten“ – das ZdL

Ein Bericht von Ava, der Krakanter Heilerin

Die Vision

Es begann mit einem dieser schrecklichen, verwirrenden Träume. Doch diesmal wussten wir bereits, was uns erwartet. Wir wussten, dass die Drachen uns wieder rufen würden – wie immer, wenn wir solch einen Traum hatten.

Wir sehen, wie eine Grün gekleidete Frau hinter Arina, der alten Stimme der Zeit, hergeht. „Verlang das nicht von mir, Arina“, fleht sie.
Wir hören eine Stimme, die sagt, dass wir uns im Zeitalter der Erneuerung befänden. Im Jahr der verborgenen Träume.
Und wir sehen die Priesterinnen und Priester der Drachen, einige von ihnen bereit lieb gewonnene Freunde. Gemeinsam stellen sie sich IHM entgegen, dem Hexer! „Stell Dich Deiner eigenen Wahrheit!“ rufen sie ihm zu. „Ja!“, will ich mit ihnen rufen, „zeigt’s ihm!“

Aber natürlich wäre das zu schön gewesen. Einer nach dem anderen wird von dem Hexer niedergerungen. Wehrlos schaue ich zu, wie sie erstarren. Wie er jede und jeden einzelnen von ihnen verflucht.

Jede? Nein. Bei der Schwarzen macht er Halt. Er verschont sie. Warum?

Dann spricht er zu Aurora. Aurora! Ein Jahr ist es her, dass ich sie zuletzt gesehen habe. Noch zarter sieht sie aus, durchscheinend, als verschwände sie mehr und mehr. Und stimmt das nicht auch?

„Ich werde Dir einen Bruder geben“, spricht der Hexer zu ihr. „Dann wirst Du nie wieder einsam sein!“ Er hält ein Gefäß hoch – eine Urne?
Und wir sehen, wie er einen der Seelensplitter, den zweiten, wieder in einer Bestie versteckt, so wie damals, vor einem Jahr, in dem Bullen. Diesmal ist es ein Eiswesen.

Dann verspüre ich wieder diesen stechenden Schmerz und verliere die Besinnung. Ich weiß schon, wo ich erwachen werde.

Zurück in Elitawana

Elitawana. Es ist, als wäre ich nie fort gewesen. Und doch … die Stimmung ist anders. Sofort begebe ich mich, mit Erlaubnis unseres gütigen Herrn Ramius, zum Tempel. Ich muss wissen, was geschehen ist.

Die Gute Nachricht – unsere Freunde, zumindest die meisten, sind noch da. Die Bettler sind nach wie vor guter Dinge und haben ihren gütigen Herrn Ramius nicht vergessen. Sogar ein Ramius-Puppenspiel haben sie vorbereitet.

Auch unsere Brüder und Schwestern aus Fallacon sind noch da, wenn auch gedrückter Stimmung. Ihr König, den sie Fahl nennen, ist verschwunden, entführt vom Hexer. Und Dalwar, Dorians Bruder, ist immer noch auf der Seite der Verfemten. Trotzdem ist es gut, sie wiederzusehen, vor allem Ophelia, die mir fast schon wie eine Schwester ist.
Doch fehlen auch Freunde … Die Li’Shima hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Ich sehne mich danach, dem Hexer meinen Dolch ins Herz zu rammen und dabei ihren Namen zu nennen.

Ich schaudere, wenn ich an die Geschehnisse des letzten Jahres denke. Als Li’Shima auf dem Schlachtfeld fiel. Als Krakant sich dem Hexer entgegen stellte. Als der Hexer unsere Männer eigenhändig verbrannte. Unseren lieben Ludger, unseren wunderbaren Weibel – sie beide hatte ich schon geheilt, beide waren mein! Und dann, schließlich, unseren Herrn Ramius! Unseren Fürstbischof, der uns behütet und in Tyrs Willen unterweist! Verbrannt!

Ich erinnere mich an die Starre, die Tränen … die langen Stunden … und dann seine Rückkehr! Zur siebten Stunde auferstanden, gemeinsam mit seinen Kampfesgefährten, dem Weibel und Ludger, zurückgekehrt aus dem Zwielichtreich! Die Bettler führen ihn zurück zu uns, und welche Freude.

Doch genug des Träumens und Erinnerns. Manch eine lange Winternacht habe ich damit verbracht, Ikonen zu zeichnen, die unseren Herrn Ramius zeigen, Bildnisse auf Holz, die mir halfen, die Schrecknisse zu überwinden. Jetzt ist es Zeit zu Handeln. Wir müssen herausfinden, was der Hexer seit unserem letzten Besuch angerichtet hat. 

Denn jetzt ist es zu einer persönlichen Sache geworden. Natürlich wollten und wollen wir den Unschuldigen Elitawanas helfen. Doch vor allem wollen wir eines: Den Hexer brennen sehen.

Auroras Amme

Ich begebe mich zum Tempel, um herauszufinden, was geschehen ist. Und das Befürchtete ist wahr: Der Traum vom Anfang war kein Traum, sondern Wirklichkeit. Die Priesterinnen und Priester wurden verflucht.

Der grüne Hohepriester erstarrt nach und nach, er verwandelt sich in einen Baum.
Der Silbernen stahl der Hexer den Lebensfunken. Was genau das bedeutet, verstehe ich nicht – etwas Medizinisches ist es jedenfalls nicht.
Der Kupferne scheint in eine große Traurigkeit zu verfallen, er trauert einer vergangenen Liebe nach.
Der Graue verliert sein Gedächtnis – sein höchstes Gut! Jeden Tag von Neuem.
Der Goldene trauert ebenfalls – um seine Heimat, die vom Heer verwüstet wurde.
Und der Rote scheint mehr und mehr dem Blutrausch zu verfallen.
Auch der blinde Seher scheint erstarrt. Auf mein Fragen heißt es, er erlebe alle Tage auf einmal. Was bedeutet das?

Nur die Schwarze blieb verschont. Warum?

Und was war das Gefäß, das wir im Traum sahen, und wer die grüne gekleidete Frau, der unsere alte Stimme der Zeit augenscheinlich Schreckliches abverlangte?

Erst nach und nach bekommen wir es heraus. Der Einfachheit halber erkläre ich es hier in Einem, zu verwirrend waren die einzelnen Informationen.

Die Grün gekleidete Frau stellt sich als Auroras Amme heraus. Wir finden heraus, dass der Hexer sich Auroras Mutter bereits vor der Geburt genähert und sie umgarnt hat. Dabei gelang es ihm, das Kind bereits im Mutterleib in zwei Teile zu spalten: Eine dunkle und eine lichte Hälfte. Ich verstehe nichts von Magie, doch ich weiß, dass dies medizinisch unmöglich ist.
Doch Arina, die damalige Stimme der Zeit, war auf des Hexers Spur. Sie befahl Auroras Hebamme, den dunklen Teil Auroras, ihren Bruder, im Mutterleib zu töten. So wurde nur Aurora geboren.
In einem Traum, einem anderen Traum, der einigen von uns widerfuhr, konnten wir Auroras Mutter sehen, wie sie den Säugling in ihren Armen hielt. Plötzlich verstanden wir auch, warum dieses Lied so bedeutsam ist, das wir immer wieder hörten, von den Qu’Ani, den Elfen und anderen: Es ist Auroras Wiegenlied, das ihre Mutter für sie sang.
Doch lange blieb Aurora nicht bei ihrer Mutter. Nur wenige Tage waren ihnen gemeinsam vergönnt. Arina suchte die Mutter auf und enthüllte ihr, welch wichtige Rolle Aurora in der Zukunft der Welt bevorstünde. Und dass das Kind in höchster Gefahr sei! So gab Auroras Mutter ihr Kind der Stimme der Zeit mit und versprach, baldmöglichst nachzukommen, sobald ihr Mann aus der Schlacht zurück sei. Doch dazu kam es nie.
Der Hexer suchte Auroras Mutter auf. Er riss ihr mit seiner verfluchten Magie ihre Mutterliebe aus der Brust und tötete sie. Auch dies ist eine Art von Magie, die ich nicht verstehe und nicht verstehen will – denn Tyr-gefällig ist sie sicherlich nicht!

Doch so verstehen wir nun, warum der Hexer Aurora liebt … wahrscheinlich wirklich liebt. Es ist die gestohlene Mutterliebe ihrer leiblichen Mutter, die die beiden verbindet. Und nun raubt er die Lebensfunken – nicht nur der silbernen Hohepriesterin, sondern aller, derer er habhaft wird, auch uns Reisenden. Aus diesen Funken und den sterblichen Überresten des toten Fötus‘, die sich in der Urne befinden, will er nun einen Bruder für Aurora erschaffen. Das muss verhindert werden!

Im Tempel holen wir immer wieder Informationen. Ich rede mit Jorden, dem Tempelburschen, der den Hof fegt. Ein guter Junge, wenn auch ein einfaches Gemüt. Viel weiß er nicht.

Die Priesterinnen und Priester glauben, dass Aurora zu retten sei – zu retten sein muss. Denn dass sie die Stimme der Zeit ist, daran lässt sich nichts ändern. Sie steht unter des Hexers Einfluss, doch sie gibt uns immer wieder Zeichen. Es gelingt ihr sogar, zu fliehen – er Hexer ist außer sich! Zum ersten Mal sehen wir ihn nicht gefasst und überlegen. Er schreit, er tobt, er wirft Speere und Feuer. Er hält jede Frau für Aurora – auch mich. Als er sein Feuer auf mich wirft, ist das der schlimmste Schmerz, den ich je erfahren habe.  Er scheint Jahre, Ewigkeiten anzuhalten. Nur aus weiter Ferne höre ich Stimmen, die mich zurück rufen. Verdammt. Ich hasse magische Heilung. Aber gut, ich will nicht undankbar sein.

Am nächsten Tag beginnen wir den Tag mit einer Prozession. Denn … das Wichtigste habe ich ja noch gar nicht erzählt! Sagte ich, wir wollen den Hexer brennen sehen? Nun, in Krakant folgt auf Wollen unmittelbar das Tun. Diesmal sind wir vorbereitet.

Operation Krustenbraten

Während ich in den langen Wintermonaten Ikonen malte, war auch Herr Ramius nicht untätig. In langen Abenden stellten er und seine Gefolgschaft einen Schrein her, der uns auf dem Schlachtfeld schützen soll. Ein Schrein, der die Reliquien in sich birgt, die auf unerklärliche Art und Weise immer mit uns nach Elitawana reisen. Es muss einen Grund geben, warum die Drachen nicht nur uns, sondern auch unsere Reliquien, sogar Arnulf Berangars Gebeine, mit in die erste Drachenwelt berufen!

Oh … und Fürstbischof Ramius baute nicht nur einen Schrein.

Er baute auch eine Waffe.

Eine mächtige Waffe.

Eine klerikale Waffe. Eine Waffe, die mit hunderten von Gebeten aufgeladen wurde. Eine Waffe, die uns TYR selbst gab, um den Hexer zu vernichten. Eine Waffe, die die Flamme heiligen Zornes auf den Hexer hernieder regnen lassen würde, TYRS Zorn!

Wir wollten ihn brennen sehen … und wir alle waren überzeugt, er WÜRDE brennen!

Teil 2 findet Ihr hier!

Der Zyklus der Schöpfung

Eine elfische Schöpfungslegende aus Quenris

Am Anfang war das Nichts – das Nichts umgab das Sein, doch sah Yrinor, dass das Sein unvollkommen war. Und so schuf er nach seinem Abbild seine Kinder. Er schuf sechs an der Zahl und erfreute sich an ihrer Schönheit und an der Vollkommenheit seines Werkes. Und er pflanzte sechs Bäume, für jedes der Kinder einen, ein jeder unterschiedlich in Form und Farbe, ja selbst der Duft der Knospen und der Geschmack der Früchte unterschied sich voneinander.

Eines Tages rief Yrinor seine Kinder zu sich und sprach: „Ein jeder von Euch soll wählen, ein jeder soll von einem Baum eine Frucht kosten. Wählt frei nach Eurem Willen, und dies wird Euch einzigartig machen und voneinander unterscheiden. Wählt weise, denn habt Ihr erst die Frucht des Baumes geschmeckt, so werdet Ihr Eins mit ihrer Eigenschaft“. Und so wählten Sie, ein jeder nach seinem Willen. Ein jeder aß die Frucht und wurde Eins mit seinem Baum.

Und so nennen wir die Kinder Yrinors, und dies sind die von den Bäumen ihnen gegebenen Talente:

Aidere:
Sie steht für die Natur, das Leben und die Fortpflanzung. Der Wandel der Jahreszeiten obliegt ihr, und alles, das wächst und gedeiht ist Ihr Untertan.
Ihr Symbol ist der Baum des Lebens.

Dalris:
Er steht für Wahrheit und Gerechtigkeit. Er wird auch „der Suchende“ genannt. Er reitet auf einem Greifen und trägt die Bücher der Wahrheit und Chroniken der Gerechtigkeit, um allgegenwärtig Kunde davon zu tun.
Sein Symbol ist ein reich verziertes Signalhorn.

Faralis:
Er steht für das Wissen, den unermüdlichen Drang, Wissen zu sammeln und in Büchern zu forschen. Die Elfischen Bibliotheken tragen stehts sein Symbol oder Abbild in ihrem Wappen.
Sein Symbol ist das Buch.

Haevion:
Er steht für den Kampf. Als Ältester der Söhne Yrinors fühlt er Schmerz und Zorn in seinem Herzen und befindet sich in ständigem Streit mit seinem Bruder Bygar. Er wird als strahlende Erscheinung, anmutig auf einem weißen Schlachtross reitend, dargestellt. Sein Schwert erstrahlt in der Finsternis und läutert alles Böse.
Er ist der Patron der Elfischen Kriegsakademie, in dem die Lichtkrieger Ihre Ausbildung erhalten, um für das Gute und das Licht zu streiten. Die beiden Wege des Kampfes und des Glaubens werden dort gelehrt. Der mächtige Orden „Haevions Banner“ begründet auf dem Willen, auch nur den kleinsten Funken Finsternis auszulöschen.
Sein Symbol ist der strahlende Stern.

Lydriel
Sie steht für die Magie. Ihr feines aus Sternenlicht gewebtes Kleid ist verwoben mit den Essenzen der Magie, über die sie wacht. Sie ist es, die Neugeborenen das magische Talent während eines Traumes zukommen lässt. Dieser Traum wird „Schlaf der Prüfung“ genannt, weil Lydriel den Geist des Kindes prüft, ob er ihren Ansprüchen genüge tut, und sie Ihr Geschenk dem Geiste übergeben kann.
Die Magieakademien tragen das Zeichen Lydriels als Ihr Wappen.
Ihr Zeichen ist ein Drache.

Fyndorir
Sehr wenig ist über dieses Sohn des Gottvaters bekannt. Es heißt, der Vater selbst habe sich in seiner Schöpfung in Ihm verewigt, um seinen Schöpfungskindern im Kampfe wider der Finsternis beizustehen.
Auch sein Symbol ist der strahlende Stern.

Nur Bygar, der jüngste Sohn, wollte sich nicht verändern. Er steckte die Frucht unter sein Gewand, ohne sie zu essen, wo sie zu verdorren begann. Gottvater Yrinor bemerkte dieses, denn der Geruch der Frucht begann bitter und faulig zu werden, und er sprach „Mein Sohn, habe ich Dir auch einen Baum gepflanzt, der reiche Frucht trägt? Habe ich Dir nicht die gleichen Talente offenbart wie deinen Geschwistern? – Warum betrügst du mich um meine Schöpfung? – Auch deine Frucht ist ein Teil meiner Schöpfung. Nun wirst du sie essen müssen, auch wenn sie bitter und faulig schmeckt, denn Du alleine hast diesen Weg gewählt.“ Bygar jedoch antwortete:“Wenn ich sie nicht esse, was geschieht dann? Willst du mich vertreiben aus deiner Schöpfung?“ – „Nein, das werde ich nicht, denn Du bist es, der sich meiner Schöpfung entziehen will. Ich werde deinen Ungehorsam nicht dulden und werde dich lehren, den Hunger der Seele zu spüren.“ Bygar wurde nun rasend vor Wut und warf seine verdorrte Frucht in das Nichts, das Ihn umgab. „So, nun hast du gewählt“, sprach Yrinor. „Dein Talent wird das Gegenteil sein von denen Deiner Geschwister. Das Gleichgewicht meiner Schöpfung muss gewahrt bleiben. Und so geschah es, dass Bygar für jenes steht, für das er von den Mächten der Finsternis verehrt wird.

Die anderen Fünf Kinder Yrinors jedoch wurden Eins mit Ihren Talenten. Ein jeder von Ihnen hat die Eigenschaften, die Yrinor ihnen zugedacht hatte, und wird mit einem eigenen Symbol dargestellt. Ein jeder Elf wählt in einer einzigartigen Zeremonie seinen Gottessohn oder seine Gottestochter, der er sich durch Wort und Tat verpflichtet. Über Allen jedoch steht Yrinor.

Auf zum Zeit der Legenden!

Los geht’s zum Zeit der Legenden 2019! Nachdem der Hexer letztes Jahr unseren Herrn Ramius, den Weibel und einen einfachen Soldaten einfach verbrannt hat, haben wir uns auf unsere Primärkompetenzen besonnen – die Inquisition. Wir haben uns fest vorgenommen, es dem Hexer dieses Jahr zu zeigen – und haben uns dafür ein paar ganz besondere Dinge vorgenommen. 

Ihr findet Krakant im Lager der Kämpfer hinter den Eichentemplern.

Plotvorbereitung fürs ZdL 2019 (Teil 2)

(Lest Teil 1 hier)

So, wo waren wir stehengeblieben? Ah ja. Der Hexer/Befreier und Aurora, die junge Stimme der Zeit, die der Hexer durch Schmeicheleien an sich gebunden hatte. Es hieß, dass sphärische Teile von ihr, Teile ihrer zerrissenen Seele, durch Elitawana irrten, auf der Suche nach … ja, nach was? Freiheit? Sicherheit? Liebe?

Aber nicht nur Aurora war gefangen – auch die Bewohner*innen der ersten Drachenwelt waren nun gespalten – in die, die sich immer noch unsere Hilfe erhofften, und jene, die sich dem Hexer angeschlossen hatten. Doch nicht nur neue Gefolgsleute hatte der Hexer: Auch neue Gefangene.

Im Kerker des Hexers

Im Jahr zuvor war es uns Reisenden ja gelungen, die Held*innen der Drachen aus den Fängen des Hexers zu befreien. Jetzt hielt er wieder jemanden im Kerker der Burg gefangen: Vicenca Verani, Lauriel und Alkanas – alle mächtige Streier*innen, die der Hexer nun im Seelengefängnis folterte. Obwohl wir hineingelangten und (vornehmlich) mit Lauriel sprechen konnten, brachte uns das nicht weiter. Die drei Gefangenen beharrten, dass sie verloren seien. Vicencas versteinerter Körper wurde, getrennt von ihrer Seele, irgendwo aufbewahrt und bewachte das Tor, hinter dem der Darpatbulle gefangen gehalten wurde. Vincenca wollte nicht befreit werden, weil wir damit diese schreckliche Bestie auf Elitawana losließen. Doch … der Bulle, war das nicht jene Bestie, der der Hexer einen Seelensplitter anvertraut hatte?

An dieser Stelle schiebe ich gerne die Erzählung „Von den blauen Taten in Elitawana“ ein, in der aus der Sicht der Blauen die Ereignisse geschildert werden – als einfache Heilerin der Krakanter habe ich diese diffizilen Ereignisse nicht in diesem Detailreichtum erleben können, da ich mit Blut, Schweiß und Tränen, gebrochenen Knochen und abgetrennten Gliedmaßen zu tun hatte. Die Blauen nahmen sich auch Auroras an – konnten sie mit ihrem höchsten Wert, der Freiheit, die junge, an den Hexer gebundene Stimme der Zeit erreichen? Ich weiß es nicht.

Der Hexer und Krakant

Doch erinnere ich mich, wie wir in eineZdL Hexer Befreierr großen Kraftanstrengung dem Hexer in einem Anbetungsritual gegenüber traten … wie er unseren Leutnant in Ketten legte … wie er tanzte … um unsere Reliquien herum tanzte!! Wir bedurften all unserer Glaubensstärke, um ihm zu widerstehen, doch was hat es ihm geschadet? 

Steht nicht Krakant mit seiner reichen und mächtigen Tradition der Inquisition an erster Stelle, um Wesen wie dem Hexer die Stirn zu bieten? Sollten wir nicht prädestiniert sein, ihm den Garaus zu machen? Er wäre nicht die erste Hexe, die im Feuer des Tyr-Glaubens brennt!

Die Priester baten uns, den Urstrom zu schützen. Dieser Schutz konnte nur durch ein gemeinsames Gebet an alle Drachen hergestellt werden. Also schützten wir den Urstrom.

Ich bin nur eine einfache Heilerin, und die meisten unserer Krakanter Leute sind einfache Soldaten. Wir beschützen die Schwachen und stellen unsere Leiber vor die Unschuldigen. Unser Schildwall steht zwischen Euch und der Dunkelheit. Unser Blut erkauft Eure Sicherheit. Ich verstehe nicht viel von dem, was die Priester der Drachen reden: Dass der Hexer ein Splitter der Götter ist, älter als die Drachen selbst. Dass er die Drachen bekämpft, weil diese ihn aus dem Himmel verjagt haben. Ich verstehe nur, dass er bekämpft werden muss.

Und auch all das andere … dass Vincenca Verani, Lauriel und Alkanas befreit wurden (aber wie?). Dass Vincencas Körper dann das Portal freigab, hinter dem der Darpatbulle verschlossen war. Dass der Darpatbulle erschien und sich uns in der Schlacht stellte – ja, das weiß ich noch. Schließlich waren es Krakanter Schwerter, die den Bullen niederstachen. Und meine Verbände, die die tiefen Wunden verschlossen, die die Hörner des Bullen gerissen hatten. Und Krakant, unser Leutnant Konrad, der dem Bullen den Seelensplitter entriss … aber wohin dieser dann gebracht wurde, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich wieder zu irgendwelchen Gelehrten und Diplomaten, die viel reden, aber wenig tun. Gehört habe ich, dass der Splitter zu einem sphärischen Teil Auroras gebracht wurde. Vielleicht stimmt auch dies. Ich hoffe, es hat ihr etwas Frieden gegeben.

In der letzten Schlacht fielen so viele … ein Bürgerkrieg tobte durch Elitawana, und wir waren Zeugen. Brüder kämpften gegen Schwestern, Väter gegen Mütter. Der Hexer hatte das Land und die Menschen gespalten.  In der letzten Schlacht fiel durch die Hand des Hexers die Li’Shima, Herrin der Feuerklippen, die mir ehedem ein besonderes Geschenk gemacht hatte. Und schließlich zeigte der Hexer doch eine Regung – war es Wut? – und mit einem gewaltigen Streich verbrannte er unseren Weibel und unseren Fürstbischof, Ramius Lionsbane. Wir sahen sie fallen.

ramius lionsbane ikoneDie Stunden danach waren dunkel, ich erinnere mich an wenig, außer an Tränen. Wir bereiteten Herrn Ramius, Weibels und Ludgers (einer unserer gefallenen Soldaten, dessen Namen wir nicht vergessen wollen) Bestattung vor. Und dann … dann brachten die Bettler und unseren Herrn Ramius und unsere Leute zurück! Tyr segne Euch, Ihr Bettlervolk. Wir haben Euch nicht umsonst vertraut.

Der Schildwall gegen die Dunkelheit

Haben wir jetzt gewonnen oder verloren? Ich weiß es nicht. Der Urstrom ist geschützt, der Darpatbulle erlegt, der Hexer vorerst abgezogen … aber die Priester und Diplomaten, sie reden immer noch und tun wenig.

Mir sind die einfachen Leute lieber. Ich bin nur eine einfache Heilerin. Ich stehe bei Krakant, und Krakant ist der Schildwall gegen die Dunkelheit. Wenn Ihr blutet, flicke ich Euch zusammen. Wenn finstere Kreaturen Euch bedrohen, schlägt Krakant zu. Krakant schwingt keine großen Reden. Krakant handelt. Krakant wird nicht weichen, keinen Zollbreit. Der Hexer kann uns mit seinen schönen Reden nicht täuschen. Zwischen ihm und den unschuldigen Menschen Elitawanas wird bis zum bitteren Ende eines stehen: Ein Krakanter Schild.

 

Plot Vorbereitung fürs ZdL 2019 (Teil 1)

Ihr kennt das – auf jeder Groß-Con ist immer wieder die Frage „Was ist letztes Jahr noch gleich passiert? Um die Erinnerung ein wenig aufzufrischen, hier eine Zusammenfassung „Was bisher geschah“ des Zeit der Legenden 2018 in Vorbereitung auf das ZdL 2019 – natürlich aus krakantischer Sicht. Andere Lager und Individuen haben womöglich ganz andere Dinge erlebt – wir freuen uns über Ergänzungen in den Kommentaren.

Was bisher geschah

Wir erinnern uns, dass bereits in 2016 die Bündnisse aufgebrochen und die Lorcaner unter dem Hexer sind immer mehr auf dem Vormarsch sind. Schon 2017 war es uns gelungen, die vom Hexer gefangenen Held*innen mittels der Siegel zu befreien. Dadurch waren die Champion für den Hexer nicht mehr wichtig. Im Burghof wurden die Siegel in die Säule eingesetzt und die Anwesenheit der Drachen in dieser Welt verankert.
Der Hexer jedoch erschuf nun für jeden Drachen neue Avatare, die die dunklen Hauptaspekte der Drachen in sich tragen und deren Weg pervertiert ist.

Aurora, die Tochter der Stimme der Zeit, wurde schon lange vom Hexer manipuliert. Die Stimme der Zeit hat darum in 2017 versucht, die Herrschaft ihrer Tochter hinauszuzögern. Auch wir Reisenden misstrauten Aurora. Und tatsächlich geschah es – als die alte Stimme der Zeit starb, ging Aurora freiwillig mit dem Hexer mit. Durch ihre Macht kann sie nun die Zeit für den Hexer verändern.

Was geschah 2018?

In 2018 waren die Lorcaner plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Wir Reisenden fragten uns, wo die Bedrohung sei – und mussten erfahren, dass Teile der Menschen der Drachenwelt sich dem Hexer angeschlossen hatten. Aus unserer Sichtweise nennen wir diese die „Verfemten“, die es nun von jedem der Drachenwege gab. Wie die zuvor erwähnten neuen, pervertierten Avatare verfolgen die Verfemten die „neuen“ und, wie sie sagten, „echten“ Drachenwege – was nach unserem Verständnis der Drachenwege zu seltsamen Folgen führte. So wurde von den grünen Verfemten berichtet, dass sie Menschenfleisch aßen und im Kampf bissen. Die kupfernen verfemten verteilen vergiftetes Essen.
Das Perfide daran war, dass die Verfemten weder im Lager noch auf dem Schlachtfeld ohne Weiteres als solche zu erkennen waren, und wir Reisenden brauchten eine Weile, um das herauszufinden.

Aurora folgte dem Hexer (der sich nun „Befreier“ nannte) nach wie vor. Langsam begriffen wir Reisenden, dass wir selbst an ihrer Entfremdung nicht unschuldig waren: Aurora war nur ein unschuldiges Kind, umschmeichelt von des Hexers Manipulationen – und wir hatten nichts getan, als ihr Vorwürfe zu machen. Nun versuchten einige Lager, den Schaden gut zu machen. Die Aufgabe hier war (und ist) Auroras Vertrauen zu gewinnen und eine echte Beziehung zu ihr aufzubauen. Eine Schlüsselrolle hierbei spielt ein altes Kinderlied, das wir  auf dem Schlachtfeld singen, um Aurora unsere Zuneigung zu zeigen. Hier könnt Ihr es anhören.

Weitere Infos zu 2018 lest Ihr in Teil 2.

Hallo Welt!

Die Website der Krakanter wird gerade umgebaut. Zum 1. Mai könnt Ihr hier alles über unsere LARP-Verein erfahren.
Bis dahin: Immer stark und nie aufs Knie!