„Operation Krustenbraten“ – das ZdL

Ein Bericht von Ava, der Krakanter Heilerin

Die Vision

Es begann mit einem dieser schrecklichen, verwirrenden Träume. Doch diesmal wussten wir bereits, was uns erwartet. Wir wussten, dass die Drachen uns wieder rufen würden – wie immer, wenn wir solch einen Traum hatten.

Wir sehen, wie eine Grün gekleidete Frau hinter Arina, der alten Stimme der Zeit, hergeht. „Verlang das nicht von mir, Arina“, fleht sie.
Wir hören eine Stimme, die sagt, dass wir uns im Zeitalter der Erneuerung befänden. Im Jahr der verborgenen Träume.
Und wir sehen die Priesterinnen und Priester der Drachen, einige von ihnen bereit lieb gewonnene Freunde. Gemeinsam stellen sie sich IHM entgegen, dem Hexer! „Stell Dich Deiner eigenen Wahrheit!“ rufen sie ihm zu. „Ja!“, will ich mit ihnen rufen, „zeigt’s ihm!“

Aber natürlich wäre das zu schön gewesen. Einer nach dem anderen wird von dem Hexer niedergerungen. Wehrlos schaue ich zu, wie sie erstarren. Wie er jede und jeden einzelnen von ihnen verflucht.

Jede? Nein. Bei der Schwarzen macht er Halt. Er verschont sie. Warum?

Dann spricht er zu Aurora. Aurora! Ein Jahr ist es her, dass ich sie zuletzt gesehen habe. Noch zarter sieht sie aus, durchscheinend, als verschwände sie mehr und mehr. Und stimmt das nicht auch?

„Ich werde Dir einen Bruder geben“, spricht der Hexer zu ihr. „Dann wirst Du nie wieder einsam sein!“ Er hält ein Gefäß hoch – eine Urne?
Und wir sehen, wie er einen der Seelensplitter, den zweiten, wieder in einer Bestie versteckt, so wie damals, vor einem Jahr, in dem Bullen. Diesmal ist es ein Eiswesen.

Dann verspüre ich wieder diesen stechenden Schmerz und verliere die Besinnung. Ich weiß schon, wo ich erwachen werde.

Zurück in Elitawana

Elitawana. Es ist, als wäre ich nie fort gewesen. Und doch … die Stimmung ist anders. Sofort begebe ich mich, mit Erlaubnis unseres gütigen Herrn Ramius, zum Tempel. Ich muss wissen, was geschehen ist.

Die Gute Nachricht – unsere Freunde, zumindest die meisten, sind noch da. Die Bettler sind nach wie vor guter Dinge und haben ihren gütigen Herrn Ramius nicht vergessen. Sogar ein Ramius-Puppenspiel haben sie vorbereitet.

Auch unsere Brüder und Schwestern aus Fallacon sind noch da, wenn auch gedrückter Stimmung. Ihr König, den sie Fahl nennen, ist verschwunden, entführt vom Hexer. Und Dalwar, Dorians Bruder, ist immer noch auf der Seite der Verfemten. Trotzdem ist es gut, sie wiederzusehen, vor allem Ophelia, die mir fast schon wie eine Schwester ist.
Doch fehlen auch Freunde … Die Li’Shima hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Ich sehne mich danach, dem Hexer meinen Dolch ins Herz zu rammen und dabei ihren Namen zu nennen.

Ich schaudere, wenn ich an die Geschehnisse des letzten Jahres denke. Als Li’Shima auf dem Schlachtfeld fiel. Als Krakant sich dem Hexer entgegen stellte. Als der Hexer unsere Männer eigenhändig verbrannte. Unseren lieben Ludger, unseren wunderbaren Weibel – sie beide hatte ich schon geheilt, beide waren mein! Und dann, schließlich, unseren Herrn Ramius! Unseren Fürstbischof, der uns behütet und in Tyrs Willen unterweist! Verbrannt!

Ich erinnere mich an die Starre, die Tränen … die langen Stunden … und dann seine Rückkehr! Zur siebten Stunde auferstanden, gemeinsam mit seinen Kampfesgefährten, dem Weibel und Ludger, zurückgekehrt aus dem Zwielichtreich! Die Bettler führen ihn zurück zu uns, und welche Freude.

Doch genug des Träumens und Erinnerns. Manch eine lange Winternacht habe ich damit verbracht, Ikonen zu zeichnen, die unseren Herrn Ramius zeigen, Bildnisse auf Holz, die mir halfen, die Schrecknisse zu überwinden. Jetzt ist es Zeit zu Handeln. Wir müssen herausfinden, was der Hexer seit unserem letzten Besuch angerichtet hat. 

Denn jetzt ist es zu einer persönlichen Sache geworden. Natürlich wollten und wollen wir den Unschuldigen Elitawanas helfen. Doch vor allem wollen wir eines: Den Hexer brennen sehen.

Auroras Amme

Ich begebe mich zum Tempel, um herauszufinden, was geschehen ist. Und das Befürchtete ist wahr: Der Traum vom Anfang war kein Traum, sondern Wirklichkeit. Die Priesterinnen und Priester wurden verflucht.

Der grüne Hohepriester erstarrt nach und nach, er verwandelt sich in einen Baum.
Der Silbernen stahl der Hexer den Lebensfunken. Was genau das bedeutet, verstehe ich nicht – etwas Medizinisches ist es jedenfalls nicht.
Der Kupferne scheint in eine große Traurigkeit zu verfallen, er trauert einer vergangenen Liebe nach.
Der Graue verliert sein Gedächtnis – sein höchstes Gut! Jeden Tag von Neuem.
Der Goldene trauert ebenfalls – um seine Heimat, die vom Heer verwüstet wurde.
Und der Rote scheint mehr und mehr dem Blutrausch zu verfallen.
Auch der blinde Seher scheint erstarrt. Auf mein Fragen heißt es, er erlebe alle Tage auf einmal. Was bedeutet das?

Nur die Schwarze blieb verschont. Warum?

Und was war das Gefäß, das wir im Traum sahen, und wer die grüne gekleidete Frau, der unsere alte Stimme der Zeit augenscheinlich Schreckliches abverlangte?

Erst nach und nach bekommen wir es heraus. Der Einfachheit halber erkläre ich es hier in Einem, zu verwirrend waren die einzelnen Informationen.

Die Grün gekleidete Frau stellt sich als Auroras Amme heraus. Wir finden heraus, dass der Hexer sich Auroras Mutter bereits vor der Geburt genähert und sie umgarnt hat. Dabei gelang es ihm, das Kind bereits im Mutterleib in zwei Teile zu spalten: Eine dunkle und eine lichte Hälfte. Ich verstehe nichts von Magie, doch ich weiß, dass dies medizinisch unmöglich ist.
Doch Arina, die damalige Stimme der Zeit, war auf des Hexers Spur. Sie befahl Auroras Hebamme, den dunklen Teil Auroras, ihren Bruder, im Mutterleib zu töten. So wurde nur Aurora geboren.
In einem Traum, einem anderen Traum, der einigen von uns widerfuhr, konnten wir Auroras Mutter sehen, wie sie den Säugling in ihren Armen hielt. Plötzlich verstanden wir auch, warum dieses Lied so bedeutsam ist, das wir immer wieder hörten, von den Qu’Ani, den Elfen und anderen: Es ist Auroras Wiegenlied, das ihre Mutter für sie sang.
Doch lange blieb Aurora nicht bei ihrer Mutter. Nur wenige Tage waren ihnen gemeinsam vergönnt. Arina suchte die Mutter auf und enthüllte ihr, welch wichtige Rolle Aurora in der Zukunft der Welt bevorstünde. Und dass das Kind in höchster Gefahr sei! So gab Auroras Mutter ihr Kind der Stimme der Zeit mit und versprach, baldmöglichst nachzukommen, sobald ihr Mann aus der Schlacht zurück sei. Doch dazu kam es nie.
Der Hexer suchte Auroras Mutter auf. Er riss ihr mit seiner verfluchten Magie ihre Mutterliebe aus der Brust und tötete sie. Auch dies ist eine Art von Magie, die ich nicht verstehe und nicht verstehen will – denn Tyr-gefällig ist sie sicherlich nicht!

Doch so verstehen wir nun, warum der Hexer Aurora liebt … wahrscheinlich wirklich liebt. Es ist die gestohlene Mutterliebe ihrer leiblichen Mutter, die die beiden verbindet. Und nun raubt er die Lebensfunken – nicht nur der silbernen Hohepriesterin, sondern aller, derer er habhaft wird, auch uns Reisenden. Aus diesen Funken und den sterblichen Überresten des toten Fötus‘, die sich in der Urne befinden, will er nun einen Bruder für Aurora erschaffen. Das muss verhindert werden!

Im Tempel holen wir immer wieder Informationen. Ich rede mit Jorden, dem Tempelburschen, der den Hof fegt. Ein guter Junge, wenn auch ein einfaches Gemüt. Viel weiß er nicht.

Die Priesterinnen und Priester glauben, dass Aurora zu retten sei – zu retten sein muss. Denn dass sie die Stimme der Zeit ist, daran lässt sich nichts ändern. Sie steht unter des Hexers Einfluss, doch sie gibt uns immer wieder Zeichen. Es gelingt ihr sogar, zu fliehen – er Hexer ist außer sich! Zum ersten Mal sehen wir ihn nicht gefasst und überlegen. Er schreit, er tobt, er wirft Speere und Feuer. Er hält jede Frau für Aurora – auch mich. Als er sein Feuer auf mich wirft, ist das der schlimmste Schmerz, den ich je erfahren habe.  Er scheint Jahre, Ewigkeiten anzuhalten. Nur aus weiter Ferne höre ich Stimmen, die mich zurück rufen. Verdammt. Ich hasse magische Heilung. Aber gut, ich will nicht undankbar sein.

Am nächsten Tag beginnen wir den Tag mit einer Prozession. Denn … das Wichtigste habe ich ja noch gar nicht erzählt! Sagte ich, wir wollen den Hexer brennen sehen? Nun, in Krakant folgt auf Wollen unmittelbar das Tun. Diesmal sind wir vorbereitet.

Operation Krustenbraten

Während ich in den langen Wintermonaten Ikonen malte, war auch Herr Ramius nicht untätig. In langen Abenden stellten er und seine Gefolgschaft einen Schrein her, der uns auf dem Schlachtfeld schützen soll. Ein Schrein, der die Reliquien in sich birgt, die auf unerklärliche Art und Weise immer mit uns nach Elitawana reisen. Es muss einen Grund geben, warum die Drachen nicht nur uns, sondern auch unsere Reliquien, sogar Arnulf Berangars Gebeine, mit in die erste Drachenwelt berufen!

Oh … und Fürstbischof Ramius baute nicht nur einen Schrein.

Er baute auch eine Waffe.

Eine mächtige Waffe.

Eine klerikale Waffe. Eine Waffe, die mit hunderten von Gebeten aufgeladen wurde. Eine Waffe, die uns TYR selbst gab, um den Hexer zu vernichten. Eine Waffe, die die Flamme heiligen Zornes auf den Hexer hernieder regnen lassen würde, TYRS Zorn!

Wir wollten ihn brennen sehen … und wir alle waren überzeugt, er WÜRDE brennen!

Teil 2 findet Ihr hier!

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